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Ständedenken 2.0

17. März 2010

In diesem Beitrag geht es um Reputation 2.0 - also die Frage, wie Akteure in Zeiten multipel vernetzter Kommunikationsströme kommunizieren und wirken. Es ist die Geschichte von

Rübchen und Bübchen

Die Identitäten der beiden Personen sind bekannt, werden aber nach bestem Wissen und Gewissen anonymisiert. Zeichen dafür sind Klammern [ ], in denen allgemeine Bezeichnungen an Stelle der zu verräterischen konkreten stehen.

Situation und Rollen der Akteure

Rübchen trägt einen Doktortitel eines für den Vorfall irrelevanten Faches und ist ein Teilnehmer von vielen in einem durch Subventionierung kostenlosen Verfahrens, in dem Bübchen Beiträge von Teilnehmern als Bewerter nach einem vorab bekannten Muster bewertet. Bübchen macht das ehrenamtlich, um Teilnehmern wie Rübchen einen Gefallen zu tun.

Der auslösende Vorfall

Der Träger des Verfahrens bietet ein Forum im Internet an, auf das eine begrenzte Öffentlichkeit von Teilnehmern, Bewertern und anderen via login /Kennwort zugreifen können. Hier nun kommen zitierte Äußerungen, die den Anlass für diesen Beitrag lieferten.

Rübchen: Mich erschrickt die Kritiklosigkeit an dieser Einrichtung/dieser Veranstaltung!

Zeitversetzt erscheint mit direktem Bezug auf das Zitat folgende Aussage:

Bübchen:Mit einer solchen Pauschalaussage kann ich wenig anfangen. Können Sie das präzisieren?

Rübchen nutzt offenbar wenigstens eines der social networks, in denen auch Bübchen dies und das tut. Statt also die Diskussion am Ort ihrer Entstehung fortzuführen, wechselt Rübchen den Ort. (Medienbruch) Hier zeigt er im Schutz einer persönlichen nichtöffentlichen Mitteilung, die im genutzen System recht eindeutig gegen die Spielregeln verstößt, sein kommunikativ wahres Gesicht:

Rübchen: [Verfahrensname]-Kritik & Ihr “fehlender” Verstand
“Allein der Fakt, dass ausgrechnet Sie mit Ihrem Knalltueten FH-Abschluss in BWL und Ihrem Lachsack-[Sparte]-”Unternehmen” einen [Verfahrensname Bewerter] mimen, ist doch mehr als Motivation fuer einen Aufschrei!”

Meine Wertung

Ein so dicker Hund in Sachen Kommunikation kommt mir selten unter und bietet einen Anlass, ein paar Dinge beim Namen zu nennen.

  • Da kennt jemand nicht die Spielregeln, wo heutzutage Diskussionen stattfinden. Das ist entweder dumm oder ignorant oder kalkuliert.
  • Dass jemand sich mit Doktortitel relativ klar als Bildungsherrenmensch über Absolventen von Fachhochschulen stellt, ist in Zeiten lebenslangen Lernens lächerlich oder überheblich oder misantropisch.
  • Rechtschreibung ist keine Hexerei.
  • Der Teilnehmer wirkt bezüglich des von ihm kostenlos genutzten Verfahrens undankbar.

Reaktionen von Bübchen

Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Beitrags hat Bübchen einige Aktivitäten unternommen, damit sowohl Rübchen als auch andere aus der Geschichte lernen können.

  • Das Verhalten von Rübchen wurde der Projektleitung des kostenlosen Verfahrens mitgeteilt. Eine Reaktion steht aus.
  • Die mißbräuchliche Nutzung ihres Systems durch Rübchen wurde dem Kundendienst des social networks mitgeteilt. Eine Reaktion steht aus.
  • Bübchen hat mir die zur Verfassung des Beitrages notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt und wird das ggf. von weiteren Etappen ebenfalls tun.

Mein Hilfspaket

Auch wenn ich die Äußerung von Rübchen wenig einnehmend finde, vermute ich weniger ein Problem mit seinem Gehirn, als vielmehr eines von Manieren. Außerdem scheint er nicht in einer Welt angekommen, wo Hilfskriterien wie Titel, Alter oder Besitz nicht mit mehr Rechten verknüpft sind, wie das zu Gutsherrenzeit üblich war. Heute bewerten Endkunden die Produkte von Konzernen, Schüler ihre Lehrer, Angestellte ihre Arbeitgeber. Und: Es bewegt auf Dauer etwas. Mehr vermutlich als Standesdünkel hinter verschlossenem Visier. Also bitte dringend Offenheit und Diskussionskultur lernen, Rübchen!

  1. update (18.03.)
    Die Projektleitung des kostenlosen Verfahrens sieht zum derzeitigen Zeitpunkt keinen Handlungsbedarf. Das ist soweit nachvollziehbar, weil im Umfeld des Verfahrens bis auf substanzlose Kritik nichts zu bemängeln ist. Eine Reaktion vom Support des social networks steht noch aus. Sollte dieses sich nicht in akzeptabler Zeit melden, wird das Netzwerk womöglich noch einmal öffentlich mit dem Hinweis auf den Vorfall konfrontiert.
  2. update (22.03.)
    Bübchen hat zeitnah eine Nachricht des social networks erhalten, dass zusammenfassend folgende Elemente enthält: Dank für die Meldung, Entschuldigung für das Verhalten des Mitgliedes Rübchen, Rübchen sei in diesem network Ersttäter und stünde nun unter Beobachtung und habe im Wiederholungsfall mit “entsprechenden Schritten” zu rechnen, Hinweis zur Unterdrückung weiterer Nachrichten des promovierten Wurzelgemüses.

SCHUFA Auskunft kostenlos - Medienselbstverständnis

05. Februar 2010

Gelegentlich frage ich mich, was Redakteure von Nachrichtenagenturen oder Zeitungen dazu bringt, etwas als Nachricht darzustellen oder auch nicht. Die Liebe zur vollständigen und in einen Zusammenhang eingebettete Information kann es kaum mehr sein. Ich stelle dazu einmal 2 Zitate dar, die meine Kritik belegen sollen.

So heißt es in der Printausgabe der Berliner Zeitung vom 5.2.2010 in einem als afp Meldung gekennzeichneten Textstück:

“Verbraucher können künftig einmal pro Jahr kostenlos ihre bei der Kreditauskunft Schufa gespeicherten Daten abrufen.” (Link zum online-Beitrag)

Wer ein wenig im Internet sucht, wird ausreichend Treffer für eine Bestätigung der Kernaussage finden. Allein etwas entscheidendes fehlt - zumindest mir - in dem Beitrag. Die Frage nach dem warum. Der sagen wir nicht ausgeschlossene Eindruck, dass die Schufa das aus nicht genannten Gründen von selbst gemacht haben könnte, ist nämlich schlicht und ergreifend falsch.

Seltsamerweise sind die Kollegen auf n-tv.de gründlicher und machen aus der absichtlichen oder versehentlichen journalistisch bemäntelten Imagewerbung für die Schufa eine ordentliche Meldung, indem sie auch folgendes nicht auslassen, vergessen oder ignorieren:

“Möglich macht das eine gesetzliche Neuregelung. Der zufolge müssen alle Auskunfteien den Verbrauchern einmal im Jahr kostenlos Auskunft über die gespeicherten Daten geben.” (Link zum online-Beitrag)

Natürlich musste ich als Onliner schmunzeln, dass gleich die erste mir seriös wirkende online-Quelle qualitativ besser als das Auslaufmodell Zeitung war. Auf der anderen Seite möchte ich als zu lernende Lektionen für unternehmerisch denkende Menschen daraus ein paar Schlüsse ziehen:

  • Das alte System aus Nachrichtenagenturen und ihren abdruckenden Kunden ist nicht immer die Mühe wert, darin aufzutauchen.
  • Die Qualität der im Internet erhältlichen Informationen ist bei intelligenter Auswahl und Filterung inzwischen eher Maßstab denn Abklatsch der Printwelt.
  • Nehmen Sie die Außenwahrnehmung für Ihr Unternehmen am besten selbst in die Hand. Ob Sie dafür Businessblogs oder soziale Netzwerke wie facebook oder twitter einsetzen, ist Geschmackssache.
  • Wenn auch Sie sich schon immer gefragt haben, ob und was die Schufa an Daten von Ihnen vorhält, sollten Sie sich vielleicht auch einen Kalendereintrag machen…

Gift Swift - einige Fragen

01. Dezember 2009

Ich stecke meine Nase oft in Themen hinein, die ein wenig abseits dessen liegen, was heutzutage oft großtönend Kernkompetenz genannt wird. Wer es einfacher mag: Ich höre und lese hier und da von Dingen, die mich wegen einer Einzelheit interessieren und ansprechen, aber wirkliche Ahnung habe ich davon nicht. Dann macht mein Gehirn - ebenso wie das anderer Menschen - etwas ebenso Natürliches wie Unsinniges: Es schnappt sich die wenigen erwiesenen Fakten, die zahlreichen Meinungen und Deutungen aus allerlei Medien, rührt diese um und - pardauz - haben wir eine prima Parole oder Halbwahrheit, die z.B. am Stammtisch, im Internetforum oder in Blogs herausposaunt wird.

Da ich das Gefühl habe, dass wir mit dem neuen SWIFT-Abkommen mal wieder ein Thema in der Diskussion haben, wo es wenig verständlich dargestellte Fakten aber großes Trara gibt, stelle ich mal ein paar Fragen und hoffe, dass über Kommentare und Links ein paar nützliche Fakten zusammen kommen. Ich gestehe, dass das Thema zwar lockt, ich aber als Amateur darin besser nicht recherchierend darin herum stochere, weil das a) unprofessionell und b) nicht effektiv wäre.

  1. Was - am besten in einfachen Worten für eine breite Schicht an Menschen - steht genau in diesem SWIFT-Abkommen drin?
  2. Welchen Weg nehmen Bankdaten welcher Banken wirklich?
  3. Kann der Einzelne gegenüber seiner Bank oder an anderer Stelle gegen eine intransparente Nutzung seiner Daten widersprechen?
  4. Gibt es irgendwo eine grafische Darstellung, die das Verfahren, die Beteiligten und Möglichkeiten des Eingriffs aus Sicht der Dateninhaber einfach zusammenfasst?

Ich werfe mal einen Link zu Markus Beckedahl, der sicher eine gute Adresse ist, am Thema dran zu bleiben.

Damit es auch eine Business-Moral gibt, wie das Stammleser schon kennen: Der Akteur Bundesregierung hat mit seiner Meinungsänderung im Abstimmungsverfahren von Ablehnung auf Enthaltung (sozusagen lauwarme Zustimmung) eine Unruhe geschaffen, die u.a. Datenschützer zu öffentlichen Äußerungen gebracht hat. Wenn Sie sich mit einem Thema so positionieren und äußern müssen, dass Sie inhaltlichen Gegenwind von Interessengruppen erwarten, bereiten Sie sich gefälligst bestmöglich darauf vor und kommunizieren Sie so offen wie möglich Ihre hoffentlich guten Gründe. Mund halten und auf das Ende der Empörung warten war früher…