Archiv für April 2010

Kunden auf der Flucht?

27. April 2010

So lautet der Titel, der Anne M. Schüller für ihr neues Buch eingefallen ist, zu dem Sie den Buchblitz #3 hier finden können. “Halt oder ich handle” fiel mir spontan als Wortspiel ein, um auf ein Grundproblem hinzuweisen, das mir dazu einfällt. Das lautet ungefähr, dass im deutschsprachigen Raum immer noch viele glauben, Unternehmen handelten und Kunden reagierten lediglich auf Angebote. Mit ein wenig Glück ist es aus meiner Sicht eher anders herum viel versprechender: Man höre Interessenten und Kunden wirklich gründlich zu und arbeite die besten / häufigsten Ideen ins eigene Angebot ein. Schon hat man ein wirklich relevantes Angebot. Aber ich greife reihenfolgenverachtend bezüglich sonst üblicher Lesegewohnheiten vor.

Vorgeschichte

Vor einer gefühlt halben Ewigkeit habe ich ein Buch von Anne M. Schüller aus zugegebenermaßen vielleicht überwiegend formellen Gründen für meine Verhältnisse heftig kritisiert. Ich war erstaunt, a) trotzdem und b) in ausgespriochen passendem Tonfall angesprochen zu werden, ob nicht auch ich das neue Buch anschauen mag. Mit Neugierde als drittem Vornamen hat mich das Thema natürlich angesprochen.

B(a)uchgefühl

Die Tatsache, dass die Autorin mit ihren Publikationen den Begriff Loyalität in ökonomischen Zusammenhängen je nach Rechercheweg ganz gut zu besetzen weiß, legt den Verdacht nahe, daß… Ha, sage ich Ihnen nicht. Machen Sie sich davon ggf. selbst ein Bild.

Zum Buch verrate ich Ihnen gern mehr: Das gute Stück stammt aus dem Verlag orell füssli. Aus dem stammt z.B. auch “Corporate Blogs” von Klaus Eck. Somit liegt die Latte auf guter Höhe für Leser, die etwas mit Substanz und Bezug zur Realität erwarten. Die Grobgliederung des Werks in Intro plus 4 Teile finde ich hilfreich, um im Stoff orientiert zu bleiben. Die Teile hören auf folgende Überschriften:

  • Kundenloyalität auf dem Prüfstand
  • Loyalitätsführerschaft als Unternehmensstrategie
  • Die Praxis: Toolbox für mehr Kundentreue
  • Tipps zur praktischen Umsetzung

Die Autorin hantiert wohlwollend klar nicht im luftleeren Raum. Es wird an vielen Stellen klar, dass sie über ein Thema referiert, in dem sie tagtäglich arbeitet. Es unterbleibt auch nicht, das wirtschaftliche Thema mit Erkenntnissen z.B. der Hirnforschung abzuklopfen und ein wenig aus dem Kaffeesatzlesen der Interpretationswissenschaften (Ich bin ursprünglich BWLer…) heraus zu kommen.

temporäres Ergebnis

Je länger mein Studium zurück liegt, desto schwerer tue ich mich mit grundsätzlichen Abhandlungen ob im mündlichen Vortrag oder gedruckt. Hier sehe ich aber mal wieder ein Buch, das eine Zeit lang im Fokus der Auseinandersetzung um das Thema stehen könnte. Es ist so praxisnah, dass für viele Leser relevante Erkenntnisse zu finden sein sollten. Dabei macht es Angebote zum Mitgehen, die für Unternehmen treibende Menschen passen könnten.

Wo ich immer noch meine Probleme habe, ist der von mir so wahr genommene Beiklang, dass eigentlich jedes Unternehmen unter Anwendung eines (ja, ja, offenen) Methodensets strahlender Profiteur dieses Denkens sein kann. Ich glaube ehrlich gesagt nicht mehr, dass Unternehmen oberhalb einer bestimmten Größe wirklich grundsätzlich umbaubar sind. Aber das mag der Tatsache geschuldet sein, dass ich mich eher in KMU und bei sehr beweglichen Gründern zu Hause fühle als in der Welt des Managements.

andere Meinungen?

Wer sieht es ähnlich oder anders? Fühlen Sie sich gern eingeladen, sich an einem Diskurs zu beteiligen. Dazu sind die Kommentarfelder unter den Beiträgen nämlich da. 8-)

  1. Peter Soltau von Kundenkunde hat eine lesenswerte Rezension verfasst.

Dein Körper - das missing manual

21. April 2010

rezensive Auszeit

Die regelmäßigeren Leser der Seite werden sich vielleicht erinnern, dass ich den Buchblitz #2 über das nun besprochen Werk bereits vor einiger Zeit abgefeuert habe. Allen, die das Erscheinungsdatum entdeckt haben: Nein ich brauche keine satt 2 Monate, ein mich interessierendes Buch zu lesen. Vielmehr habe ich es aus mir unklaren Gründen ein wenig bei Seite gelegt. Manchmal sind Dinge halt noch nicht reif…

neue Einflüsse

Ich habe das Glück, bei einer relativ neuen Aufgabe zahlreiche Dinge mal wieder aus einer anderen Perspektive betrachten zu lernen. So habe ich z.B. einen relativ einfachen Satz serviert bekommen, der manche Dinge leichter einsortieren lässt: Lernen geht immer vom Lerner aus. Klingt banaler als es ist. So hat man bei der föderalen Lernlandschaft Deutschlands gelegentlich das Gefühl, Lernen sei ein Akt, bei dem ein Bundesministerium, die Kultusministerkonferenz und eine Reihe anderer Institutionen ständig wie die Hirschkäfer raufen, während Lehrer und Schüler in zunehmend maroden Schulen eine Reform nach der anderen über den Schädel bekommen, ohne dass die gemeinsame Stoßrichtung des Reformeifers erkennbar wäre. Autsch, zu lang geworden. Aber so ist es nun mal.

Das Buch

An Stelle eines handwerklich sauberen Fazits

Die handwerklichen Qualitäten des Buches sind - wie bei O´Reilly üblich - über ernsthafte Kritik für mich erhaben. Der Autor Matthew MacDonald, der auch schon das tolle “Hirnbuch” schrieb, legt eine gut abgestimmte und mich überzeugende Sammlung von Geschichten vor, in denen verschiedenste Körperteile oder -funktionen die Hauptdarsteller sind. Dabei ist die Stoffdichte immer so hoch, dass man sich fragt, was wohl als nächstes kommt. Die Erzeugung von Neugierde fördert meiner Ansicht nach selbstbestimmtes und damit hochmotiviertes Lernen. Ach wäre doch jeglicher Unterricht so aufgebaut…

Sonderkategorie Übersetzung

Ahnend wie gut man ein tolles englischsprachiges Buch durch unpassende Übersetzung versemmeln kann, hebe ich gern den Übersetzer Stefan Fröhlich hervor, der einen wirklich guten Job gemacht hat.

Geständnisse

  1. Ich habe auch noch das fertig gelesene Druckerzeugnis vom Buchblitz #3 auf dem Schreibtisch liegen.
  2. Hätte der Paketbote heute nicht das nächste Buch herbeigeschleppt, hätte ich womöglich auch heute… Sie wissen schon…
  3. Ich freue mich auf das abendliche Leichtathletiktraining und werde nach Möglichkeit morgen entweder die nächste Rezension oder Buchblitz #4 nachlegen.

Kreuzigung, Demut, Loslassen

02. April 2010

Anlass

Der Name des Beitrags entspringt einem schönen Beratungslauf, den ich am Karfreitag mit mir selbst gemacht habe. Darüber hinaus hat der Beitrag so wenig mit Religion zu tun, wie mein Alltag. Es geht vielmehr um das Signal zum Aufbruch in eine neue Zukunft meiner professionellen Tätigkeit.

Name

Ich war lange recht glücklich mit dem Wort- und Abkürzungsmonstrum, unter dem ich überwiegend an den Markt getreten bin: Unternehmensberatung für kleine und mittlere Unternehmen (kurz: ubkmu). Ich sehe inzwischen ein, dass das unhandlich bis unmerkbar ist. Letztlich haben sich viele Kunden, Interessenten und sonstige Personen einfach meinen Namen gemerkt, unter dem ich auch bald meine Aktivitäten gemeinsam mit dem Markt neu sortieren, ausrichten und ausbreiten möchte.

Ausrichtung eines anderen Unternehmens

Bei der Beobachtung für mich interessanter Unternehmen habe ich gesehen, dass dass dort Personen den Kern darstellen und nicht die Frage, ob es 1, 5 oder 10 verschiedene Produkte gibt. Somit wird es für mich und interessierte Menschen ein spannendes Experiment, wie der Weg von meinen Werten über denkbare Produkte zur Ansprache von Wunschkunden aussehen wird.

Schritte

Werte

Ich werde nicht umhin kommen, die mich antreibenden und interessierenden Werte herauszuarbeiten und zu kommunizieren, damit die für mich richtigen Menschen sich angesprochen fühlen. Auf der neu zu startenden Seite werde ich mich zu jedem hier angerissenen Punkt dem hoffentlich neugierigen Dialog stellen.

Wunschkunden

Ich habe festgestellt, dass mich die Frage nach MIG (Menschen, Ideen, Geschichten) losgelöst von der kurzfristigen ökonomischen Perspektive schon immer interessiert hat. So ist es auch kein Zufall, wenn ich hier trotz oder vielleicht wegen erwartbarer Herausforderung Künstler und Handwerker als erste benenne, für die ich gern einmal arbeiten möchte.

Einladung

Es ist mir bewusst, dass meine Ankündigung eines Startschusses noch ein wenig unklar wirkt. Lassen Sie es mich so andeuten: Bislang bin ich an vielen Stellen davon ausgegangen, dass ich viel selbst planen und gestalten müsste. Das könnte sich als unnütz erweisen. Meine Kenntnisse und Fähigkeiten sind da, wenngleich ich sie ständig zu erweitern versuche. Und die Nachfrage danach ist auch bereits irgendwo. Es ist also nur eine Frage des Zuhörens, Fragens und Redens, die losen Seilenden zusammen zu bringen. Das scheint mir inzwischen logischer als der Versuch, definierten Personengruppen den Bedarf für fertige Produkte notfalls auch einzureden, womit sich klassisches Marketing teilweise beschäftigt. Sinnzentrierte Arbeit hingegen mag im Aufgalopp mühsamer wirken, wird nach meiner Vorstellung aber nachhaltiger an Freude und Erfolg sein. Begleiten Sie mich doch ein Stück auf diesem Weg. Sowie der Rohling der neuen Webseite steht, werden Sie hier den Link dazu finden.