Archiv für März 2010

Zukunftsgestalter: Manager oder Unternehmer?

25. März 2010

Definition

Es gibt wissenschaftlich fundierte und präzise Beschreibungen der beiden Begriffe. Das einfache Volk und der Stammtisch bieten auch einige an. Die lassen wir aber mal bei Seite und ich denke mal wieder selbst. Ich picke bewusst nur einige Eigenschaften heraus, um etwas zu verdeutlichen.

Manager

  • Besorgt in einer für ihn (zunächst) fremden Firma für einen Teilbereich die Geschäfte.
  • Ist je nach Hierachiestufe nur begrenzte Zeit an die Firma gebunden und somit auf kurzfristige und tendenziell leichte Erfolge aus.
  • Jongliert mit dem Geld anderer Leute, ohne für sein Handeln selbst ins Risiko zu müssen.

Unternehmer

  • Besorgt in seinem Unternehmen mit ständigem Blick aufs Ganze die Geschäfte.
  • Ist in der Regel dauerhaft an die Firma gebunden und wird in der Tendenz einen gesunden Mix aus aktuellen Erfolgen und Substanzsicherung und -verbesserung anstreben.
  • Jongliert mit eigenen Ressourcen und haftet mindestens mit seinem guten Ruf für eigene Entscheidungen.

Zukunftsfrage

Wenn man nur 3 zu beobachtende Großtrends auswählt, kann man pointiert sehen, wem wohl die Zukunft gehören wird.

Massenkommunnikation

Die traditionell von vergleichsweise wenigen Aussendern kontrollierten Märkte Print, Fernsehen und Radio haben ihre Rolle als alleinige Meinungsmacher bereits in Teilen der Bevölkerung verloren. Es lässt sich nur noch über die Geschwindigkeit des weiteren Bedeutungsverlustes streiten, was aber müßig ist. Der gewinnende Trend ist die Kommunikation, in der bisherige Empfänger auf Wunsch auch zum Sender werden. Ein Dokument, in dem das bereits seit Jahren schön gebündelt steht, ist das Cluetrain Manifest.

Ideengetriebenheit

Der ursprüngliche Zweck der Organisation wirtschaftlichen Handelns ist es, Sinn in Form von Produkten und Dienstleistungen zu stiften. Effizienz, Rendite und Prozessoptimiertung stellen hingegen keinen wirtschaftlichen Mehrwert dar. Ohne einen Sinn (oder eine Mission) fehlt aber auf Dauer der Kunde, der den ganzen Spaß schließlich bezahlen soll. Es ist somit kein Zufall, dass derzeit Banken kranken, kopflos zusammengekaufte Handelsriesen wanken und große Wirtschaftseinheiten insgesamt vor großen Fragezeichen und Klippen stehen.

Geschwindigkeit

Gesetzt den Fall, es zeichnet sich ein neuer Trend in einem Markt ab. Wer den Erfolg will, muss von einer Idee bis zur anbietbaren Lösung schnell sein und dabei gleichzeitig ein Gespür für kurzfristige UND nachhaltige Chancen haben.

Schwarz-Weiss-Malerei

Nun schaue ich schlaglichtartig, welche Auswirkungen die 3 Trends meiner Einschätzung nach haben werden.

Massenkommunnikation

Hierarchisch komplexe Konstrukte tun sich vorsichtig formuliert schwer, menschlich authentisch auf den immer maßgeblicher werdenden Kanälen des social web zu agieren. Männer und Frauen mit Ideen, Ecken und Kanten haben es hier um einiges einfacher und treffen schneller und kostengünstiger als jemals zuvor auf die passenden Mitstreiter und Kunden. Alle Bemühungen um social web policies werden diesen Vorteil für echte Unternehmer nicht ausgleichen können.

Ideengetriebenheit

Komplizierte Gebilde wie Konzerne entwickeln einen Hang zur Bürokratie, bestimmte Zusammenhänge, Hierarchien und Verfahren so weit auszufeilen, dass sie sich in erschreckend hohem Maße mit sich selbst beschäftigen. Ich werfe hier nur mal die Begriffe Reorganisation, Effizienzprogramme bzw. innere Revision in die Diskussion. Das ist alles ideen- und damit kundenabgewand. Todsünde im 21. Jahrhundert.

Geschwindigkeit

Eine gute Idee muss in gemanagten Firmen oft in mehrstufigen Verfahren von unten nach oben wandern. Dann gibt es mehr oder minder durchdachte Entscheidungen und der Weg geht nunmehr von oben nach unten. Bis das alles durchgestanden ist, hat ein beherzt zupackender Unternehmer bereits die ersten Kunden mit einer fertigen Lösung erfreut. Wieder Punkt für Unternehmer.

Einladung zum Mitdenken

Nachdem in meiner verkürzten Betrachtung der Typ Unternehmer den Typ Manager klar mit 3:0 nach Hause geschickt hat, wäre es an der Zeit, daraus Schlüsse zu ziehen und ein paar Fragen aufzuwerfen, oder?

  • Will ich vielleicht selbst Unternehmer werden?
  • Will ich bewusst in ein Unternehmen gehen, wo ich mehr als der temporäre Namen in einem beliebig wirkenden Kästchen bin?
  • Sollte die Wirtschaftsförderung nicht lieber 1.000 neue 10-Mann-Firmen fördern als einen kränkelnden 10.000-Mann-Laden gegen die Marktkräfte zu verteidigen?
  • Sollten Medien nicht lieber jede Woche 3 Newcomer und ihren Weg beschreiben als die absehbaren Abstürze der tönernen Riesen aus DAX & Co. zu begleiten?

Was sind Ihre Antworten? Und welche Fragen fehlen Ihnen hier? Ich freue mich sehr über Kommentare.

Ständedenken 2.0

17. März 2010

In diesem Beitrag geht es um Reputation 2.0 - also die Frage, wie Akteure in Zeiten multipel vernetzter Kommunikationsströme kommunizieren und wirken. Es ist die Geschichte von

Rübchen und Bübchen

Die Identitäten der beiden Personen sind bekannt, werden aber nach bestem Wissen und Gewissen anonymisiert. Zeichen dafür sind Klammern [ ], in denen allgemeine Bezeichnungen an Stelle der zu verräterischen konkreten stehen.

Situation und Rollen der Akteure

Rübchen trägt einen Doktortitel eines für den Vorfall irrelevanten Faches und ist ein Teilnehmer von vielen in einem durch Subventionierung kostenlosen Verfahrens, in dem Bübchen Beiträge von Teilnehmern als Bewerter nach einem vorab bekannten Muster bewertet. Bübchen macht das ehrenamtlich, um Teilnehmern wie Rübchen einen Gefallen zu tun.

Der auslösende Vorfall

Der Träger des Verfahrens bietet ein Forum im Internet an, auf das eine begrenzte Öffentlichkeit von Teilnehmern, Bewertern und anderen via login /Kennwort zugreifen können. Hier nun kommen zitierte Äußerungen, die den Anlass für diesen Beitrag lieferten.

Rübchen: Mich erschrickt die Kritiklosigkeit an dieser Einrichtung/dieser Veranstaltung!

Zeitversetzt erscheint mit direktem Bezug auf das Zitat folgende Aussage:

Bübchen:Mit einer solchen Pauschalaussage kann ich wenig anfangen. Können Sie das präzisieren?

Rübchen nutzt offenbar wenigstens eines der social networks, in denen auch Bübchen dies und das tut. Statt also die Diskussion am Ort ihrer Entstehung fortzuführen, wechselt Rübchen den Ort. (Medienbruch) Hier zeigt er im Schutz einer persönlichen nichtöffentlichen Mitteilung, die im genutzen System recht eindeutig gegen die Spielregeln verstößt, sein kommunikativ wahres Gesicht:

Rübchen: [Verfahrensname]-Kritik & Ihr “fehlender” Verstand
“Allein der Fakt, dass ausgrechnet Sie mit Ihrem Knalltueten FH-Abschluss in BWL und Ihrem Lachsack-[Sparte]-”Unternehmen” einen [Verfahrensname Bewerter] mimen, ist doch mehr als Motivation fuer einen Aufschrei!”

Meine Wertung

Ein so dicker Hund in Sachen Kommunikation kommt mir selten unter und bietet einen Anlass, ein paar Dinge beim Namen zu nennen.

  • Da kennt jemand nicht die Spielregeln, wo heutzutage Diskussionen stattfinden. Das ist entweder dumm oder ignorant oder kalkuliert.
  • Dass jemand sich mit Doktortitel relativ klar als Bildungsherrenmensch über Absolventen von Fachhochschulen stellt, ist in Zeiten lebenslangen Lernens lächerlich oder überheblich oder misantropisch.
  • Rechtschreibung ist keine Hexerei.
  • Der Teilnehmer wirkt bezüglich des von ihm kostenlos genutzten Verfahrens undankbar.

Reaktionen von Bübchen

Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Beitrags hat Bübchen einige Aktivitäten unternommen, damit sowohl Rübchen als auch andere aus der Geschichte lernen können.

  • Das Verhalten von Rübchen wurde der Projektleitung des kostenlosen Verfahrens mitgeteilt. Eine Reaktion steht aus.
  • Die mißbräuchliche Nutzung ihres Systems durch Rübchen wurde dem Kundendienst des social networks mitgeteilt. Eine Reaktion steht aus.
  • Bübchen hat mir die zur Verfassung des Beitrages notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt und wird das ggf. von weiteren Etappen ebenfalls tun.

Mein Hilfspaket

Auch wenn ich die Äußerung von Rübchen wenig einnehmend finde, vermute ich weniger ein Problem mit seinem Gehirn, als vielmehr eines von Manieren. Außerdem scheint er nicht in einer Welt angekommen, wo Hilfskriterien wie Titel, Alter oder Besitz nicht mit mehr Rechten verknüpft sind, wie das zu Gutsherrenzeit üblich war. Heute bewerten Endkunden die Produkte von Konzernen, Schüler ihre Lehrer, Angestellte ihre Arbeitgeber. Und: Es bewegt auf Dauer etwas. Mehr vermutlich als Standesdünkel hinter verschlossenem Visier. Also bitte dringend Offenheit und Diskussionskultur lernen, Rübchen!

  1. update (18.03.)
    Die Projektleitung des kostenlosen Verfahrens sieht zum derzeitigen Zeitpunkt keinen Handlungsbedarf. Das ist soweit nachvollziehbar, weil im Umfeld des Verfahrens bis auf substanzlose Kritik nichts zu bemängeln ist. Eine Reaktion vom Support des social networks steht noch aus. Sollte dieses sich nicht in akzeptabler Zeit melden, wird das Netzwerk womöglich noch einmal öffentlich mit dem Hinweis auf den Vorfall konfrontiert.
  2. update (22.03.)
    Bübchen hat zeitnah eine Nachricht des social networks erhalten, dass zusammenfassend folgende Elemente enthält: Dank für die Meldung, Entschuldigung für das Verhalten des Mitgliedes Rübchen, Rübchen sei in diesem network Ersttäter und stünde nun unter Beobachtung und habe im Wiederholungsfall mit “entsprechenden Schritten” zu rechnen, Hinweis zur Unterdrückung weiterer Nachrichten des promovierten Wurzelgemüses.

Erfolgreiches New Business für Werbeagenturen

03. März 2010

Ich hatte das Buch von Heiko Burrack bereits im Buchblitz #1 im einem Schnelldurchlauf vorgestellt. Inzwischen habe ich das Buch gelesen und es hat ein paar Tage auf meinem Steharbeitsplatz zugebracht und mich gelegentlich anklagend angeschaut. Zuweilen überrollen mich weiterreichende Aufgaben, die eine nützliche und faire Besprechung einfach nicht zeitnah zulassen.

Gesamteindruck

In einer Welt von hashtags und anderen Verkürzungsversuchen würde ich nach meiner Lektüre folgende Begriffe als maßgeblich  über das Buch verwenden: Systematisch, praxisbewährt und handlungsfordernd. Wer es doch lieber in fließender Menschensprache mag, sei herzlich zum Weiterlesen eingeladen

Systematisch

Der Autor fängt nach meinen Erfahrungen zu Recht damit an, von den Akteuren eine klare Positionierung zu verlangen, die im späteren Prozess der Gewinnung definierter Kunden immer noch unterschätzt wird. Es reicht schon lange nicht mehr, mit einem zeitungsdünnen schicken Laptop vermeintlich kreativ zu fuchteln, um dauerhaft neue Kunden zu gewinnen. Und so wird der Leser auf eine Reise denkbarer Auslassungen auf einen Weg mitgenommen, ohne den es schwer wird. Wirklich schwer.

Praxisbewährt

Nicht nur der professionelle Weg von Heiko Burrack belegen, dass er wirklich weiß, wovon er redet. Die zahlreichen Beispiele, wo sich Leser mal weniger mal mehr ertappt fühlen, zeigen seinen gewachsenen Blick für wichtige Details. Ohne den Autoren wirklich zu kennen, würde ich mich im Falle eines Falles vermutlich um seinen fachlichen Rat bemühen. Ich unterlasse das nur, weil meine Aufgaben inzwischen auf einem anderen Gebiet liegen und andere Ansätze erfordern.

Handlungsfordernd

Ich schätze den typischen Leser des Buchs grob so ein: Eher in einer kleinen Agentur bzw. in einer überschaubaren Unit tätig, neugierig, den Leidensdruck der Dauerakquise kennend oder mindestens ahnend. Und jemand, auf den ein solches Raster in etwa zutrifft, wird tendenziell den Kopf anwerfen, Papier und Schreibwerkzeug zücken und das Buch zum Arbeiten verwenden. Nach meinem Verständnis ist es dafür nämlich gemacht. Also Ärmel hoch!

Archiv

Hier finden Sie eine Übersicht bislang von mir verfasster Rezensionen.

PS

Wie häufig habe ich auch bei dieser Besprechung weder die vermutlich tolle Presseinfo gelesen noch geschaut, was die üblichen anderen Verdächtigen im Netz darüber schreiben. Ich hoffe, somit einen Mehrwert im Orchester der Aussagen über das Buch für Sie zu schaffen.