Archiv für März 2009

Sauerstoff fürs Hirn

28. März 2009

Dieser Beitrag ist inspiriert von der Blogparade “Drinnen ist doof!” (mehr via Klick aufs Bild) und geht mal wieder über den Fokus dieser Seite und auch der Blogparade hinaus. Aber das kennen Sie ja bestimmt: Erfolgreich schreiben, denken, arbeiten geht oft über gefühlte besser gesagt gedachte Grenzen hinweg, um das Neue zu finden.

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Die Vorgabe der Parade war zwar der Privatbereich der Freizeit, aber mein Ansatz ist der, dass ich die mir teilweise (!) etwas künstliche Trennung zwischen Erwerbs- und Privatleben als Berater (klassisch, Impuls) überwiegend aufhebe. Und eine meiner Ideen ist es, die u.a. gehirnfreundliche eher als Privatvergnügen eingestufte Bewegung im Freien mit meiner Tätigkeit als Berater im Beratungslauf zu kombinieren. Da ich wie viele andere relativ viel - immerhin auf einem bewegungsfördernen Sitzball - am Rechner sitze, zolle ich mit der zur Abwechslung in den Alltag eingebaute Lauf mit Kunden oder Interessenten der Tatsache Tribut, dass der Mensch zu den Bewegungstireren gehört.

Darüber hinaus nutze ich als Privatmensch in der trochneren und wärmeren Jahreshälfte gern die Möglichkeit, z.B. nach der Abholung meiner Tochter vom Kinderladen noch einen Abstecher zum Spielplatz zu machen oder zu anderen sich anbietenden Zeiten eine Runde zu laufen. Dabei setze ich auch tagsüber solche “Ausflüge vom Schreibtisch” gezielt als Belohnung für erreichte Tagesziele oder zur Verbesserung der Tagesleistungsfähigkeit ein. Es ist schließlich erwiesen, dass das wichtige Arbeitsgerät Hirn gut durchblutet und mit Sauerstoff versorgt produktiver ist. Und der Spaß an Freiluftaktivität stabilisiert im Zweifel auch hilfreiche gute Laune.

So, jetzt geht es ab auf den Wochenmarkt. Leckere Vitamine für Zwischenmahlzeiten jagen…

Die 110%-Lüge

26. März 2009

Subtitel: Wie Sie mit weniger Perfektion mehr erreichen
Autor: Simone Janson
Verlag: Redline Verlag
Preis: 17,90 €
Umfang: 203 Seiten
Ausführung: broschiert

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Die Autorin und Bloggerin Simone Janson greift ein auf den ersten Blick unauffälliges Themenfeld auf, dessen Problemcharakter manchem Akteur oder deren unmittelbarer Umgebung als solches nicht unbedingt klar sein dürfte. Dabei ist es ebenso wahrscheinlich, dass Perfektionismus berufliche wie private Projekte scheitern lässt, wie z.B. schlechte Planung, mangelnde Ressourcen oder fehlende Motivation.

Für einige Phänomene des Perfektionismus werden Szenarien mit Personen durchgespielt, wodurch allgemeine Aussagen konkretisiert und der gedankliche Überbau anschaulicher werden.

Das kommentierte Literaturverzeichnis deutet an, dass die Ausführungen des Buch auf einem ebenso breiten wie zeitgemäßen Fundament stehen.

Das Stichwortverzeichnis ist in meinen Augen klug angelegt, weil es unentschlossenen Interessenten im Buchladen einen schnellen Zugriff auf „ihr Thema“ ermöglicht. Das ist kundenfreundlich und wird dem Buch tendenziell die richtigen Leser zuführen.

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Ich hatte bei der Lektüre zu oft das Gefühl sprachlicher Redundanz, wie den beispielhaft herausgegriffenen für mich tautologischen „übertriebener Perfektionismus“ oder „perfektes Ideal“. Dieser gefühlte Duktus einer besonderen - geradezu 110%igen - Eindringlichkeit führt für mich eher zu einer Verwässerung denn einer Verstärkung der ansonsten guten Argumente für einen entkrampfenden und lockernden Umgang mit der Verhaltensauffälligkeit Perfektionismus.

Die für die Titelseite ausgewählte Grafik empfinde ich als auflockernd gut gemeint, sehe aber keinen sich mir sofort erschließenden Zusammenhang zum Thema. Vielleicht mag der Coverdesigner Thomas Uhlig sich ja erhellend äußern?

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Ich frage mich, ob die Personen mit Namen in den Beispielen reale anonymisierte Erfahrungen darstellen oder reine Stellvertreter bzw. Projektionsflächen darstellen. Das kann für manchen Leser ein unterschiedliches Gefühl in Sachen Glaubhaftigkeit und Authentizität erzeugen.

Ist die Zahl verwendeter Hinweis-Icons (z.B. für To do, Tipp) mit über 100 gezählten Verwendungen nicht zu hoch? Was ist wirklich wichtig, wenn gefühlt nahezu alles wichtig sein soll?

Was würden wohl Passig/Lobo sagen, wenn sie ihr Thema Aufschieberitis (auf schlau: Prokrastination) darauf reduziert sähen, dass man dagegen nur einen 8-Punkte-Plan benötigt?

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Das Buch ist neben der vermuteten Eigentherapie der Autorin für eine klar erkennbare Zielgruppe verfasst, trifft mit einiger Wahrscheinlichkeit deren Denkmuster und ist für alle anderen ein Papier gewordener Hinweis auf das Phänomen Perfektionismus. Für direkt und indirekt Betroffene ist ein Buch entstanden, das als Ausgangspunkt für eigene Überlegungen und Aktivitäten wirklich nützlich sein könnte. Wer sich nicht auf den problematischen Aspekt des Themas einlassen kann oder mag, wird sich fragen, ob die im Pareto-Prinzip enthaltenen Gedanken nicht kürzer darstellbar wären.

kleckern oder klotzen?

23. März 2009

Ich habe eine These, mit der ich bequemes Denken erschüttern möchte, weil ich dieses für falsch halte. Soweit die Warnung für alle, denen ihre intellektuelle Hängematte wichtiger ist als möglicher Erkenntnisgewinn oder die Prüfung ihrer eigenen Position.

In der Wahrnehmung bzw. der öffentlichen Darstellung besteht Wachstum oder auch keines darin, dass ein paar Dutzend Großunternehmen - oft unabhängig von ihrer wirklichen Leistung im Sinne befriedigter Kundenbedürfnisse - Zahlen mit diesem oder jenem Vorzeichen präsentieren. Das greift zu kurz. Und zwar sowohl in der Beobachtung als auch den daraus gezogenen Schlüssen.

Die sprachlich jonglierten und geplanten Summen zum Schutz bestimmter Branchen sind sowohl in Deutschland als auch anderen Ländern grotesk hoch, wenn man dabei die Verteilung zwischen großen und kleinen Profiteuren anschaut. Das kann nicht gut für eine Gesundung und für Wachstum sein. Warum, werden Sie womöglich fragen. Also gut, ich zähle mal ein paar Beispiele auf:

  • Der vormals übersichtliche Fernsehmarkt  hat mit einem Programm begonnen. Inzwischen kenne ich niemanden persönlich, der die Anzahl empfangbarer Sender auch nur plus minus 10 Stück wüsste. Wenn wir jedoch “ernste Themen” rund um das Medium diskutieren, endet die Wahrnehmung entweder schon bei den öffentlich-rechtlichen oder spätestens nach einer guten Hand voll arrivierter privater Sender. Dabei ist die Wachstumrate aller kleinen nach dieser Gruppe vermutlich schon ohne Videocasts im Web so groß, dass deren kumulierter Marktanteil bemerkenswert ist.
  • Nehmen Sie den Musikmarkt und schauen Sie mal, wie viele kleine und kleinste Akteure inzwischen den vormals großen Acts eine um die andere Verkaufs- und Aufmerksamkeitseinheit abjagen. Auch hier ist absehbar, dass die Verteilung von Umsätzen sich im Sinne des long tail ändert.
  • Das Modell der lebenslangen abhängigen Lohnarbeit greift für immer weniger Menschen. Eine zunehmende Zahl will das auch nicht mehr. Trotzdem scheint die Wahrnehmung oft auf sozialversicherungspflichtige Jobs reduziert zu sein. Auch hier hat die Wachstumsgruppe der Selbständigen, Freiberufler und ((Klein-)st)Unternehmer nicht die in meinen Augen angemessene Aufmerksamkeit.

Die daraus abgeleitete These ist die, dass alle Märkte dazu tendieren, in kleine und kleinste Einheiten zu zerfallen, was noch nicht in der breiten Wahrnehmung angekommen ist. Deshalb bleiben womöglich auch die richtigen Schlüsse zu diesem Megatrend aus. Was wäre das?

  • Wirtschaftliche Förderung sollten bis auf extrem seltene Ausnahmen in wachstumsorientierte Keimzellen und nicht Wucherungen vergangener oder vergehender Industrien gehen. Denn offenbar ist die Zeit bestimmter großer Organisationsformen ein auslaufendes Modell.
  • Vermeintliche Randgruppen wie z.B. aus dem sozialen Bereich oder der Kunst sollten wir animieren, sich in verstärkt ökonomisch handelnd einzubringen. Die Konzentration auf immer die selben Kernbereiche (z.B. Spezialmaschinenbau) zementiert eine Struktur, die mit den wahren Nachfrageumschichtungen nicht mehr zusammen passt und behindert einen notwendigen Strukturwandel.
  • Natürlich ist es schwieriger, mit vielen kleinen Unternehmen / Verbänden zu kommunizieren und die Zukunft zu gestalten. Das ist aber die womöglich einzige Alternative zur bisherigen trägen Verwaltung der bedauernswerten Zustände mit einer handvoll vermeintlich schwergewichtiger Gesprächspartner.
  • Auch junge Märkte wie z.B. der für Businessblogs oder Usabilitydinstleistungen sollten sich überlegen, wie sie sich so darstellen, dass sie nicht als Einzelkämpfer sondern als Markt wahrgenommen werden. Mehr Legitimation haben die Vertreter z.B. der Autoindustrie letztlich auch nicht. Ein solches Handlen ist deshalb besonders sinnvoll, weil es die Kommunikationserwartungen aus der Vergangenheit aufnimmt.
  • Das Ausbildungssystem bringt die ihnen Anvertrauten nur sporadisch und viel zu spät mit Wirtschaftsthemen in Berührung, erwartet aber, dass diese jungen Menschen nach Abschluss ihrer formellen Erstausbildung lebenslang Leitungsträger eines ihnen nur schemenhaft bekannten Wirtschaftsgeschehens werden. Es ist schon interessant, dass die Schriftenreihe GründerZeiten vom BMWi in der aktuellen Ausgabe das Thema Wirtschaft in der Schule aufgreift.

Demokratie wie Wirtschschaft ist eine Veranstaltung, bei der der natürliche Weg der von unten nach oben und von klein nach groß ist. Erinnern Sie sich daran, erinnern Sie ggf. Vertreter von Verbänden und Parteien daran. Oder nehmen Sie Ihr Wort selbst in die Hand und mischen sich ein. Hier z.B. mit Ihrem Kommentar oder mit einem eigenen Businessblog.

Verachten Sie mir also - die Überschrift noch einmal aufgreifend-  nicht nicht die Kleckse!