Archiv für Mai 2008

IT Profits und Linuxtag 2008

29. Mai 2008

Ich stelle ein paar Merkwürdigkeiten an den Anfang, damit ich ab dem zweiten Absatz niemanden mehr zum Stirnrunzeln animieren muss. Ich finde die Halle 7 des Berliner Messegeländes ja ein wenig abgelegen. Da verläuft sich vermutlich nicht ein Besucher hin, der das nicht geplant hat. So wurden mir an zwei Tagen, an denen ich auf dem Messedoppelpack zu tun, nicht ein Flyer VOR dem Betreten der Messe angeboten, weil der dünne Menschenstrom das Abstellen einer Person dafür nicht gerechtfertigt hätte. Das ist mir persönlich zwar angenehm, spricht aber aus meiner Sicht gegen eine schlagkräftige Außenkommunikation der Veranstaltung, die eigentlich zahlenmäßig mehr Publikum ziehen sollte.

Nun zu den erfreulichen Dingen, die überwogen haben: Mit einem Schmunzeln habe ich festgestellt, dass der Linuxtag 2 Hallen plus diverse Nebenörtlichkeiten und die IT Profits nur eine Halle gefüllt hat. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass bei den Linuxern der Austausch enger und internationaler war. Ich habe in allen Hallen einige Gespräche geführt und bin über Menschen und Produkte gestolpert, von denen hier später vielleicht noch das eine oder andere vorgestellt wird. LINUX ist schon lange nichts mehr nur für Freaks und das wird jetzt endlich auch deutlich sichtbar an so einem Indikator wie vermieteten Standflächen. Gut so. Insgesamt ist die überschaubare Größe der Vveranstaltung meiner Ansicht nach günstig für intensive statt zahlreiche Kontakte. Und ich mag das.

Mein persönliches Messehighlight war die Vorstellung des Buches Das IT-Karrierehandbuch von Martina Diel auf dem Stand des O´Reilly Verlages, dem ich bereits durch einige Rezensionen verbunden bin. Die Präsentation war eingebettet in die Standparty des Verlages. Mir hat die hemdsärmelige und sehr launige Moderation des Lektors Volker Bombien ausgesprochen gut gefallen. Das Streuen einiger Goodies unter die Besucher nach Beantwortung einfacher Fragen und einem Krawattenwettbinden zwischen einem Herren und einer siegreichen Dame war der Situation bestens angemessen und bei Brezeln und verschiedenen Getränken bildeten sich auf der Standparty verschiedene wechselnde Grüppchen, die munter plauderten und teilweise auch treffliche Gründe für einen Visitenkartentausch ausmachten.

Ich zitiere Martina Diel aus dem Gedächtnis tendenziell nicht ganz wörtlich, aber ihre mir sehr sympatische Aussage Geeks machen alles mit Inbrunst; auch ihre Fehler erklärt, warum es auf diesem Businessblog zu einem späteren Zeitpunkt sowohl ein bereits zugesagtes Interview mit ihr geben wird als auch eine Rezension ihres auf den ersten Blick wirklich nützlich wirkenden Buches.

Politische Stiftungen erst bei Web 0.95?

26. Mai 2008

Bei der Recherche nach Veranstaltungen in Berlin, die für die Leser interessante Inhalte bieten könnten, habe ich mir einmal die Webseiten einiger parteinaher Stiftungen angesehen, wie das so schön unscharf und niederschwellig politisch korrekt genannt wird. Ich hätte schon noch den Seitenhieb aus dem Hirn anzubieten, dass die reale Abhängigkeit von den jeweiligen Parteien die Stiftungen nur vorschiebt, um einige der Privilegien zu nutzen, die die mit dem Begriff Stiftung verbundenen Rechtnormen dieses Landes vorhalten. Aber darum geht es hier gar nicht.

Meine Ursprungsidee und mein vermeintlich ganz einfacher Wunsch war folgender: Ich besuche die jeweilige Seite und abonniere am liebsten als RSS-Feed oder auch via Newsletter die Informationen zu angekündigten Verantaltungen, damit ich gut infomiert bin, ohne ständig die Seiten aktiv ansurfen zu müssen. Was ich statt dieses eigentlich erwarteten Angebots vorgefunden habe, fand ich so wenig beglückend, dass es mir einen Beitrag wert ist, der gern auch als Hinweis verstanden werden darf, was normale Nutzer einer Stiftungsseite heutzutage eigentlich vorzufinden erwarten. Die besuchten Stiftungen in alphabetischer Reihenfolge der inhaltlich zugehörigen Partei waren:

Bündnis 90 / Die Grünen (Heinrich-Böll-Stiftung)

  • Kein RSS. Newsletter Abo heisst hier “PROFIL ERSTELLEN”, wobei ein Formular mit 18 Feldern(!) den Nutzer eher verschreckt als einlädt. Das hat mit Datensparsamkeit nichts zu tun. Positivum kontratierend zur assoziativen Vorlage, sich komplett selbst abzubilden, sind auch die wirklich notwendigen Felder (mir etwas zu zaghaft) gekennzeichnet.

CDU (Konrad-Adenauer-Stiftung)

  • Hier gibt es einen RSS-Button, bei dem jedoch unklar ist, was genau man abonniert. Also nur Veranstaltungshinweise oder “das ganze Programm”. Bei zwei Versuchen hat es mit meinem Feedreader nicht funktioniert, den Feed zu abonnieren, owohl ich sicher zu den geübten Nutzern dieser Technik gehöre.

CSU (Hanns-Seidel-Stiftung)

  • Kein RSS. Veranstaltungshinweise scheinen nicht separat abonnierbar zu sein. Die Anmeldung für den Newsletter kommt mit 4 Feldern aus und wird über eine SSL-verschlüsseltes Pop-up-Window eingesammelt. Das ist handwerklich solide, wenn es auch meinen Ursprungswunsch nicht erfüllt.

FDP (Friedrich-Naumann-Stifung)

  • Kein RSS. Auch hier wird der informationsfreudige Surfer mit 10 Feldern konfrontiert, bei denen es keine Unterscheidung zwischen notwendig und optional gibt. Als Knüller kann man aus 30 Themenfeldern bis zu 5 Stück per Checkbox als seine Interessen kennzeichnen. Das ist schlicht zuviel des Guten.

Linkspartei (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

  • Kein RSS. Die Veranstaltungen sind anscheinend nicht separat als Info buchbar. Vor den Newsletter wurde wieder ein Formular mit über einem Dutzend Felder gesetzt, von denen die ersten 5 notwendig sind und der Rest als optional klar gekennzeichnet ist.

SPD (Friedrich-Ebert-Stiftung)

  • Kein RSS. Hier gibt es eine für ungeübte Nutzer meiner Ansicht nach irritierende Suche nach Veranstaltungen unter Nutzung von HTML Tags, die nicht gerade selbsterklärend sind. Wenn man die nutzt, kommt mal wieder ein Formular, das in diesem Fall mit 10 Feldern daher kommt, von denen aber gnädigerweise 5 nicht ausgefüllt werden müssen. Als Sahnetupfer der Nutzerunfreundlichkeit empfinde ich die Formulierung zu einem Kommentarfeld: “Haben Sie sonstige Hinweise und Anfragen? (bitte fassen Sie sich kurz)” Wie wäre es mit einer positiven und einladenden Formulierung wie z.B. “Sollte Ihnen der Platz in unserem Formular nicht ausreichen, sollten wir vielleicht persönlich miteinander reden. Sie erreichen uns unter xxx xx xx.”?

Fazit: Oh weh. Wenn man zum funktionellen Manko noch dazu nimmt, dass manche der Systeme einen so veralteten HTML Code (nicht mehr W3C-kompatibel) absondern, der Suchmaschinen eher abschreckt oder Seiten in Browsern die internen Namen der Formulare mit anzeigen, was vermutlich nicht erwünscht ist, sehe ich da - wie heisst es so schön - riesengroße Verbesserungspotentiale.

Ich werde wohl auf die Informationen dieser Institutionen verzichten, weil ich es nicht einsehe, meine Daten herzugeben, um Informationen zu erhalten, die der Sender eigentlich sehr gern als Teil des eigenen Selbstverständnisses verbreitet haben möchte. Vielleicht weisen Sie als Leser ja die Ihnen inhaltlich besonders nahe stehende Stiftung auf diesen Beitrag hin? Es wäre ja schön, wenn man dort auch langsam das anbietet, was der Nutzer will…

  1. Nachtrag
    Beinahe zwei Monate später hat keine der erwähnten Institutionen auf diesen Beitrag reagiert. Gemessen an der moderaten und aus meiner Sicht sachlich richtigen Kritik eines Verhaltens ist das eher schwach.
  2. Nachtrag
    Zum Thema Spitzenvertreter einiger Parteien und deren Sichtbarkeit im Web 2.0 gibt es hier den Hinweis auf eine Studie sowie die Lizenz, unter der sie verwendet werden darf. Die im Rahmen des Webmontags vom 21.07.2008 präsentierten Teilergebnisse entsprachen für mich erschreckenderweise der zu unterstellenden Unkenntnis oder dem Unwillen, sich mit diesen neuen Kulturtechniken und ihren Nutzern adäquat auseinander zu setzen. Die Studie soll fortgeführt werden und bis nach der Bundestagswahl auch Änderungen darstellen.
  3. Drei Tage vor dem Auftritt von Barack Obama in Berlin frage ich die Damen und Herren des Bundestags: Sieht so Politikverdrossenheit aus? Was hat dieser Mann, der ja in Deutschland nicht zur Wahl steht, was den derzeit agierenden und retardierenden Teilzeitbewohnern des Reichstages offensichtlich nahezu flächendeckend fehlt?
  4. Eine weitere gute Quelle mit weiterführenden Hinweisen zum etwas algemeineren Thema Politik und Web2.0 stellt ein Beitrag von Alexandra Graßler dar.

teno-motivierte Zeitmatrix

26. Mai 2008

Dieser Beitrag ist meine Antwort auf den Aufruf des TeNo-Blogs, Geschichten zum Thema Zeit und Uhren zu notieren. Per Klick auf das erste Bild geht es zum Teilnahmeaufruf, auf den man noch bis zum 15.06.2208 antworten kann. Dieser Aufruf in Form eines so genannten Blogkarnevals bringt Menschen temporär und themenzentriert zusammen. Dieses Onlinephänomen hat für mich in der Substanz Ähnlichkeit mit dem, was anderswo “kampagnenfähiges Thema” genannt wird und das sich z.B. in der Politik in einiger Zeit als mächtiger erweisen könnte als relativ statische Konstrukte wie Parteien..

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Die zusammenhängende klassisch erzählte Geschichte mit Einleitung, Inhaltsteil und Moralkringel zum Schluss ist weniger mein Ding, so dass ich hier lieber ein paar Gedankensplitter arrangiere. Wenn ich das Begriffspaar Zeit und Uhr mit dem Wörterduo geschäftlich und privat kombiniere, ergibt sich eine für mich spannende Vierermatrix, in die einiges an Gedankengut im Stile eines Setzkastens gepackt werden könnte.

uhr-und-zeit-matrix.png

zu Uhr, geschäftlich

  • Natürlich ist die Kenntnis der jeweiligen Uhrzeit ein funktionelles Element, um erwünschte Gesprächstermine, Geschäftstreffen und andere Aktivitäten mit anderen Menschen zu synchronisieren. Ich stelle in den letzten Jahren fest, dass die Möglichkeit zur asynchronen Arbeit über das Internet es ermöglicht, sich teilweise vom Diktat fremdgesteuerter Zeit zu emanzipieren. Ich empfinde es als angenehm, größere Teile meiner Zeit (oder doch nur der Reihenfolge von Aufgaben?) zumindest gefühlt freier planen und nutzen zu können.
  • Zuweilen amüsiere ich mich, wenn die geschäftlich konventionellen “Uniformen” von Beratern und klassischen Vertrieblern entwedern bis ins Detail einer gelegentlich etwas zu protzigen Uhr gestylt sind oder aber zum teuren und schon einmal aufgesetzt wirkenden Anzug ein ästhetisch fragwürdiger Wegwerfartikel das Handgelenk “ziert”.

zu Zeit, geschäftlich

  • Ich frage mich öfter, wo die nutzbare Zeit des Tages geblieben ist. Hier für einige Kunden etwas recherchiert, dort einen Beitrag optimiert, etwas für die eigenen Businessblogs gearbeitet und schon ist es wieder dunkel. Zu meiner Freude passiert davon immer mehr im Flow, so dass meine Verwunderung eine ohne negativen Beigeschmack ist.
  • Über die Jahre beobachte ich, dass ein tradierter (weil bequem erklärbarer?) Ansatz von einem guten Ergebnis, das mehr oder weniger direkt abhängig von der aufgewendeten Zeit sein soll, für viele Aufgaben nicht greift. Ob man den abweichenden Faktor dann als den Kuss der Muse, eine besondere Begabung, abrufbare Erfahrung oder anderes bezeichnet, scheint mir der nachkartende Versuch zu sein, die Erkenntnis nicht stehenlassen zu wollen, dass es anderes als Stechuhr, Produktivität nach Messzahlen und ISO-zertifizierte Kunden(un)freundlichkeit geben kann.
  • Wenn wir hier schon über geschäftlich verwendete Zeit sprechen, frage ich mal in die Runde, ob jemand ein sehr einfaches Mozilla plugin für Zeitmanagement kennt. Es müssen eindeutige Projektnamen vergebbar sein und die Möglichkeit möglichst einfach verwendete Zeit für ein Projekt diesem zuzuweisen. Handhabung am besten nach dem Muster 1 Projekt auswählen 2 Starttaste 3 Sachen abarbeiten 4 Stoptaste und fertig.

zu Uhr, privat

  • Wenn ich es recht überlege, habe ich über die Jahre eine Entwicklung weg von der Optik und dem vermuteten Prestige hin zur spezialisierten Funktion von Uhren durchgemacht. Meine selten getragene klassische Armbanduhr ist ähnlich klar gestaltet wie eine Bahnhoftsuhr. Die mir aufgrund der präzis angezeigten Uhrzeit eigentlich liebere Funkuhr hat einen inzwischen irreparablen Defekt, der sie in eine Hosen- oder Jackettasche verbannt.
  • Ansonsten verfüge ich als Läufer über eine Pulsuhr, mit deren Hilfe ein gezieltes Ausdauertraining erleichtert wird.
  • Als Teetrinker verfüge ich noch über eine digitale Küchenuhr, mit der ich die Ziehzeit meiner unterschiedlichen Teesorten sekundengenau kontrollieren könnte. 2:40 für einen aufmunternden Darjeeling und > 5:00 für einen eher beruhigenden Abendtee sind beispielhafte erfahrungsbasierte Grundrichtwerte. Natürlich spielen auch die Temperatur des Wassers und das zum Aufguss verwendete Blattgut eine große Rolle für das mit mehr oder noch mehr Genuss trinkbare Ergebnis.
  • Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, aus wie vielen Positionen Sie am Hauptbahnhof in Berlin KEINE Uhr oder eine solche nur schlecht sehen? Ich fand das auf jemanden wartend ganz schön irritierend.

zu Zeit, privat

  • Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Beitrags bin ich 45 Jahre alt. Das früher belächelte “Mit der Zeit werden die Jahre gefühlt kürzer.” scheint sich zu bewahrheiten.
  • Vor einiger Zeit habe ich ja schon mal an einer Aktion des teno-Blogs teilgenommen und mich samt Tochter mit einem “Schmuckstück” T-Shirt fotografiert. Und demnächst wird Florentine schon ein Jahr alt. Unglaublich, was das junge Fäulein schon alles gelernt hat…
  • Als Läufer gibt es neben der gängigen Betrachtung der Zeit einen Quotienten, dessen Wichtigkeit nur der erahnen kann, der selbst läuft: min/km! Während unsereiner bei sehr knapp unter 6 min/km irgendwann erstmals jubelnd einen ordentlichen Halbmarathon beendet hat, liegt die aktuelle Weltbestzeit für den Marathon bei 2:04:26 und damit bei 2:57 min/km! Haile Gebrselassie ist bei seinem Rekordlauf in Berlin im Durchschnitt mit über 20km/h unterwegs gewesen.