Archiv für November 2007

nexxt day 2007

30. November 2007

Die Handwerkskammer Berlin stellte u.a. die Räume für die Veranstaltung zur Verfügung, die das Thema Unternehmensnachfolge von verschiedenen Seiten praxisnah durchleuchten und Denkanregungen für potentielle Übergeber und Unternehmer liefern sollte. Neben der freundlichen Klammer verschiedener Begrüßunge, Moderationen und Überleitungen habe ich das Angebot des Abends vierteilig wahrgenommen.

  1. Prof. Dr. Birgit Felden stimmte das Auditorium mit einem gekonnten Impulsvortrag auf die jeweiligen Rollen ein, die als Nachfolgersucher oder als Übenehmer auf sie zu kommen. Ihre Vortragsvisualisierung war faktengeladen, hat mir den Eindruck hoher Praxisrelevanz vermittelt und sparte nicht an Humor, um Inhalte zu unterstreichen und die am komplexen Geschäftsprozess beteiligten Menschen mit auf eine geistige Reise zu nehmen.Besonders eindringlich empfand ich eine Folie, die mit 5 Einwortfragen und drei Verben das auf den Punkt brachte, was ohne Ausnahme für alle wichtigen Details zu tun ist. Die Fragen sind folgende:
    1. Wer?
    2. Was?
    3. Wann?
    4. Wie?
    5. an Wen?

    Und die Verben lauten:

    1. vererben
    2. verkaufen
    3. verändern
  2. Dem Impulsvortrag folgte eine von Matthias Haensch (u.a. bekannt aus Moderationen des BPW) souverän moderierte Podiumsdiskussion, in der Frau Prof. Felden, Herr Peters als Übernehmer und Frau El Sayad als gestandene Unternehmerin und Studentin bei Prof. Felden aus ihrer jeweiligen Rolle zu typischen Fragen Stellung bezogen. Nach dem mit vorbereiteten Fragen bestrittenen Teil konnten die Besucher ihre Fragen loswerden und haben nach meiner Einschätzung durchwegs gute und z.T. direkt verwertbare Antworten erhalten.
  3. Es standen ausreichend großzügige Räume zur Verfügung, dass der anwesende Mix aus Übergebern, Übernehmern und Beratern das persönliche Gespräch suchen und finden konnten. Zur Verfügung stehende Getränke und ein stets präsenter aber zurückhaltender Catering-Service haben die Athmosphäre für das eine oder andere Gespräch nach meiner Beobachtung angenehm beflügelt.
  4. Eine Reihe der Partner der Initiative Unternehmensnachfolge haben sich und ihre Leistungen an Informationsständen präsentiert. Ich gestehe, dass ich diese Stände auf Grund der von mir geführten interessanten Gespräche nicht selbst besucht habe. Es hatte aber den Anschein, dass dort auch Expertise und einige Visitenkarten den Besitzer gewechselt haben.

Art und Umfang der Bemühungen um das Thema haben neben den vorliegenden Zahlen gezeigt, dass die notwendige Regelung der Nachfolge für Unternehmen ein weites Feld ist, dass es zu bearbeiten gibt.

Andere Artikel zu diesem Thema auf bblogs.de:

Weniger ist mehr

28. November 2007

Mehr als einmal haben sich Firmen mit großem Erfolg überlegt, wie sie möglicherweise “historisch gewachsen” kompliziert gewordene Produkte auf das zusammenstreichen, was der Nutzer wirklich will. Nun hat mit Pilsner Urquell der Halter einer starken Marke im Biermarkt das werblich interessant, optisch hochwertig und inhaltlich mit schöner Pointe aufgegriffen.

Da heisst es kurz, knackig und gegen einen jugendverführenden und frauenlockenden Trend der Verlimonadung eines ursprünglich herben und Durst löschenden ehrlich puren Getränks:

Ohne Lemon.
Ohne Cranberry.
Ohne Bullshit.

Das sieht dann so aus.
pilsen.jpg

Es scheint mir wahrscheinlich, dass der Markenhalter damit auf jeden Fall die Lacher auf seiner Seite haben wird. Die Kampagne dürfte auch über Werber hinaus eine Welle in der Blogosphäre machen und somit sicher auffallen im Dauerfeuer der Werbung, die auf den Verbraucher einprasselt.

Die aus dieser Inspiration abgeleitete Überlegung, die ich Ihnen nahe legen möchte, ist folgende: Sind Sie mit einzelnen Produkten / Dienstleistungen Ihrer Angebotspalette vielleicht in einem Wettlauf um noch mehr Funktionen, noch billiger, noch mehr was-auch-immer und Sie haben schon mal überlegt, ob die Kunden das wirklich wollen? Prima. Dann fragen Sie Ihre Kunden statt irgendwelcher Experten und wenn es möglich ist, frieren Sie etwas auf einem bestimmten marktakzeptierten Stand ein und bauen Sie daraus ein klassisches Angebot, was nicht jede unsinnige Mode mit macht. Das spart Nerven der Kunden und Ihnen Entwicklungs- und Kommunikationsanstrengungen.

Onlinebewerbungsformulare

27. November 2007

Was spricht aus Sicht eines Initiativbewerbers dagegen, diesen Weg zu gehen?

  1. Die Erfahrung eines Profis. In einem Beitrag von Daniel Baumann der Berliner Zeitung zitiert dieser unter der Unterschrift “Abseits vom Mainstream” einen Versuch, den die hier bereits mit einer Rezension vorgestellte Svenja Hofert durchgeführt hat wie folgt:

    Enttäuschend: Svenja Hofert hat die Onlinebewerbungsformulare von 25 der wichtigsten Konzerne Deutschlands getestet. Das Ausfüllen dauerte zwischen 15 und 45 Minuten. Doch der Ertrag war schlecht, die gut qualifizierte Test-Kandidatin wurde kein einziges Mal zum Gespräch eingeladen.

  2. Aufmachung und Umfang solcher Formulare lassen gern einmal das Gefühl aufkommen, dass mit dem geflügelten (oder soll ich sagen geflegelten?) Satz “Rufen Sie uns nicht an; wir rufen Sie an.” umschrieben werden kann. Eine Mischung aus sich nicht wirklich eingeladen fühlen, der Erkenntnis, dass das eigene Leben und die darin gemachten Erfahrungen schwer oder zuweilen gar nicht in die angebotenen harten Schemata und Schubladen passen z.T. gekrönt mit einer Seitenaufbaugeschwindigkeit und einem Bedienungskomfort, der Zweifel an der Qualität des Bewerbungsziels aufkommen bzw. anschwellen lässt.
  3. Manch ein Bewerber sollte sich überlegen, ob er sich überhaupt auf ein Spiel mit ungleicher Augenhöhe einlassen will, bei dem der eigene Schatz an Erfahrungen, Fertigkeiten und Ideen so lange beschnitten und verbogen werden muss, bis er in ein aufgezwungenes - zugegebenermaßen aus Firmensicht einfach zu handhabendes - Vergleichsschema passt.

Warum sich nicht lieber - wie z.B. der vielfach begabte Martin Riemer - bislang noch unkontentionell und avantgardistisch via Bewerberblog darstellen und dafür sorgen, dass man gefunden wird? Wenn man die eigene Darstellung nach eigenen Vorstellungen professionell voran treibt, wird man damit womöglich Energien frei setzen und ausstrahlen, die eher auffallen und zum Ziel führen, als das sich Einfügen, wo man sich nicht von 100 anderen Kandidaten abhebt und dabei auch noch unwohl fühlt.